Zu den Schlafplätzen der Kraniche

Kanutour im Nationalpark Unteres Odertal:

Wenn die Dämmerung über dem Unteren Odertal hereinbricht und der Herbst seinen Einzug hält, verwandelt sich die Flusslandschaft in eine der faszinierendsten Kulissen Mitteleuropas. Auf einer geführten Ranger-Kanutour ging es für mich und ca. 20 andere Interessierte von Gartz aus auf die Suche nach den Schlafplätzen der Kraniche – ein lautloses Gleiten auf spiegelglattem Wasser, gekrönt von spektakulären Naturschauspielen.

📍 Kurz- Infos zur RangerTour

  • 🏁 Start & Ziel: Strand Gartz (Oder)
  • ⏱️ Dauer: ca. 4,5 bis 5,5 Stunden (inklusive Pausen zum beobachten, rasten und aufmerksam zuhören)
  • 💶 Kosten: 60 €, inkl. Boot, wasserdichtes Fass & Schwimmweste (Stand 2026)
  • 📝 Anmeldung: Erforderlich unter flusslandschaft-reisen.de

Polderwissen & das „grüne Gold“ der Oderaue

Der Startschuss fiel am Strand in Gartz – einer hervorragenden Einsetzstelle für Paddler. Wie bei allen Rangertouren gab es vor dem Aufbruch fundiertes Regionalwissen: Die Polderwiesen des Odertals spielen seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle. Durch die regelmäßigen Winterschwemmungen lagerten sich wertvolle Sedimente und Nährstoffe im Erdreich ab, die dem Gras eine außergewöhnliche Qualität verliehen. Das daraus gewonnene Heu war so begehrt, dass es auf riesigen Wagen bis nach Stettin auf den Heumarkt transportiert wurde. Die Polderbauern gelangten dadurch zu echtem Wohlstand. Auch heute erfüllen die Polder unersetzliche ökologische Aufgaben als Wasserspeicher und natürliche Kühlelasten in heißen Sommern.

Paddeln durch verwunschene Nebenarme

Nach einer kurzen Paddelschulung ging es hinaus auf die Alte Oder. An diesem windstillen Tag lag das Wasser glatt wie ein Spiegel vor uns. Die Route führte vorbei an üppiger Flora, zu der die Rangerin immer wieder Spannendes zu berichten wusste. Wie wichtig eine fachkundige Führung in diesem geschützten Revier ist, zeigte sich wenig später: 

Die Rangerin steuerte einen Nebenkanal an, der so dicht zugewachsen war, dass man als Laie niemals eine Durchfahrt vermutet hätte. Das Durchmanövrieren geriet zu einem kleinen, abenteuerlichen Slalom, der der gesamten Gruppe riesigen Spaß bereitete.

Das Trompeten am Abendhimmel & der Schlafsaal der Kraniche

Schließlich erreichten wir auf gebührendem Sicherheitsabstand den Beobachtungspunkt. Das Warten dauerte nicht lange: Mit ihrem charakteristischen, lautstarken Trompeten schwebten kleinere und größere Formationen von Kranichen durch den farbenfrohen Abendhimmel zu ihren schützenden Flachwasser-Schlafplätzen. 

Während die Rangerin leise weitere Fakten über die Zugvögel erläuterte, kehrte im „Schlafsaal“ der Vögel nach den letzten lautstarken Rufen langsam Ruhe ein.

Überraschendes Finale: Das Staren-Sausen im Schilfgürtel

Wir machten uns auf den Rückweg zum Ausgangspunkt, doch die Natur hatte noch eine Überraschung parat: Kurz vor dem Ziel erklang aus dem Schilfgürtel am Ufer ein ohrenbetäubendes Gekreische und Schwatzen von hunderten Staren, die sich dort ebenfalls ihr Nachtlager gesucht hatten. 

Leicht aufgeschreckt erhob sich ein riesiger Schwarm – das synchrone, mächtige Flügelbrausen in der sonst absoluten Stille der Nacht war ein imposanter Gänsehaut-Moment, der selbst die erfahrene Rangerin staunen ließ.

Nach gut vier Stunden gingen alle Paddler reich beschenkt mit unvergesslichen Impressionen wieder an Land.