Schwedter Odertal-Schleife: 83 km Naturkino & Dorfidyll

Manchmal muss man eine Idee erst reifen lassen, um etwas absolut Großartiges daraus zu machen. Der erste  Versuch, eine Tour „links und rechts der Oder“ zu etablieren war nicht so toll. Der polnische Teil war damals mit dem Fahrrad schlichtweg eine Katastrophe, weshalb die Tour nie den Weg auf meine Seite fand. Doch ich habe mich noch einmal hingesetzt, umgeplant – und das Ergebnis ist ein absoluter Traum! Kein polnischer Teil mehr, 100 % Nationalpark Unteres Odertal und die Uckermark. Mit stolzen 83 Kilometern ist die Tour zwar lang, aber sie hat das Zeug dazu, meine absolute Lieblings-Radtour zu werden!

📍 Tour-Check

  • 🏁 Start & Ziel: Schwedt (Parkplatz nahe Uckermärkische Bühnen / UBS)

  • 📏 Streckenlänge: ca. 83 Kilometer

  • ⏱️ Dauer: ca. 5 bis 6,5 Stunden (je nach Pausenzeit)

  • 🏔️ Charakter: Perfekter, glatter Asphalt im Nationalpark (Polder), hügelige, aber gut fahrbare Radwege, ruhige Landstraßen und Dorfwege im zweiten Teil.

  • ⭐ Highlights der Strecke: Odertalbühne, Teerofenbrücke, Gartz (Oder), Grenzübergang Staffelde, Schloss & Park Schönow (mit Riesen-Rotbuche), Tabakstadt Vierraden.

  • 📥 Download: Schwedter Odertal- Schleife.gpx


Die große Untere-Odertal-Runde: Polder, Spechte und Schloss-Romantik

Teil 1: Flaches Polder-Kino auf bestem Asphalt (Schwedt bis Mescherin) Unser Abenteuer beginnt und endet in Schwedt, ganz entspannt auf dem Parkplatz in der Nähe der Uckermärkischen Bühnen (UBS). Vorbei an der Odertalbühne ist man im Handumdrehen an der Alten Oder (Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße) und lässt die Stadt hinter sich.

Kaum raus aus Schwedt, steht man auch schon mitten im Nationalpark Unteres Odertal. Vor einem öffnet sich eine gigantische, weite Sicht über die Polderlandschaft. Es ist faszinierend, sich vorzustellen, wie viele unzählige Tier- und Vogelarten tief versteckt im dichten Schilf hier leben! Das Beste für uns Radfahrer: Der Asphalt ist absolut erstklassig. Man rollt so butterweich dahin, dass man während der Fahrt ganz entspannt die Blicke nach links und rechts schweifen lassen kann.

Über die Teerofenbrücke queren wir schließlich die Alte Oder und tauchen in einen wunderschönen Mischwald ein. Hier hatte ich eine magische Begegnung: Ein majestätischer Schwarzspecht beobachtete mich aus allernächster Nähe. Er flog dann immer weiter in den Wald hinein zum nächsten Baum und guckte neugierig, was der Radler da treibt. Wie so oft in solchen Momenten: Bis die Kamera startklar gewesen wäre, war der Moment vorbei – aber er bleibt im Kopf!

Wieder raus aus dem Wald  mit Blick auf die Alte Oder und die weiten Polder bis nach Gartz (Oder). Der perfekte Ort für eine erste Rast und ein leckeres Eis. Weiter schlängelt sich der Radweg durch ein idyllisches Naturschutzgebiet Richtung Mescherin. Am Wegesrand im Moor begleitete mich ein lautstarkes, herrliches Froschquaken. Auch in Mescherin gibt es tolle Möglichkeiten, um sich bei einer deftigen Einkehr für die zweite Hälfte zu stärken.

Teil 2: Das uckermärkische Hügelland & historische Schätze (Mescherin bis Schwedt) Nach Mescherin verabschieden wir uns von der flachen Oder-Ebene. Ab hier zeigt sich die Uckermark von ihrer klassischen, hügeligen Seite: Es geht knackig auf und ab, und zur Belohnung warten weite Sichten über unendliche Felder, die im Frühsommer in allen erdenkbaren Farben leuchten.

In Staffelde kreuzen wir den deutsch-polnischen Fuß- und Radweg-Grenzübergang, der bis nach Stettin (Szczecin) führt. Ein echtes europäisches Gemeinschaftswerk! Staffelde selbst hat übrigens eine kuriose Geschichte: Es ist der einzige Ort, der nach 1945 für einige Jahre (bis 1951) unter polnischer Verwaltung stand und danach wieder deutsch wurde.

Ab hier radeln wir durch eine Reihe wunderschöner, geschichtsträchtiger Dörfer. Am Wegesrand fallen immer wieder alte Gutshäuser und Schlösser auf, die erstaunlich gut erhalten sind. Das absolute Schmuckstück ist das Schloss in Schönow mit seinen hübschen Türmchen. 

Im Schlossgarten davor steht eine riesige, ehrfurchtgebietende Rotbuche. Ich muss gestehen: Ich bin ein absoluter Baum-Umarmer! In einem anderen Land hatte ich einen treuen Lieblingsbaum (eine Rotbuche), den ich im Urlaub dort oft besucht und umarmt habe – auch wenn meine Arme nicht ganz herumreichten. Wenn diese Tour meine neue Lieblingsstrecke wird, hat diese Schönower Rotbuche definitiv das Potenzial, mein neuer uckermärkischer Lieblingsbaum zu werden!

Kulinarische Mitbringsel & tierische Fluchtversuche Auf dem Rückweg passiert man immer wieder lokale Höfe, wo man frischen Honig direkt vom Imker oder Eier direkt von glücklichen Hühnern kaufen kann. Später im Jahr gibt es hier sicher auch jede Menge frisches Obst. Gefühlt ging es auf der zweiten Hälfte der Tour übrigens glücklicherweise mehr bergab als bergauf!

Kurz vor Vierraden hatte ich dann noch eine seltene Begegnung: Ein wunderschönes Wiedehopf-Pärchen saß im Grün am Wegesrand! Doch kaum erblickten sie mich, suchten sie das Weite. Erst der neugierige, aber flüchtende Schwarzspecht, dann die scheuen Wiedehopfe – langsam komme ich mir auf dem Fahrrad vor wie eine Vogelscheuche! 😉

Der Profi-Tipp für Nachahmer: Bei einer Strecke von über 80 Kilometern melden sich irgendwann unweigerlich die Muskeln. Mein Geheimrezept: Als ich noch ca. 20 Kilometer vor mir hatte, habe ich ein Plättchen Traubenzucker eingeworfen. Das gibt dem Körper noch mal den perfekten Energieschub, um die finalen Kilometer bis zum Parkplatz in Schwedt tiefenentspannt und mit einem dicken Grinsen im Gesicht zu Ende zu radeln.