Radtour Schwedt-Hohenwutzen: Grenzgänger-Runde an der Oder

Grenzgänger-Tour: Naturkino pur zwischen Schwedt und Hohenwutzen

Wer die absolute Stille sucht und das Orchester der Natur dem Lärm der Zivilisation vorzieht, für den ist die Rundtour rechts und links der Oder ein absolutes Muss. Auf gut 70 Kilometern erlebt man hier den faszinierenden Kontrast zwischen den weiten Poldern der deutschen Seite und der sanft hügeligen, waldreichen Landschaft Polens.

📍 Tour-Check

🏁 Start & Ziel: Schwedt/ Oder

  • 📏 Streckenlänge: ca. 74 Kilometer
  • ⏱️ Dauer: ca. 5,0 – 6,0 Stunden (zzgl. Pausen zum beobachten& picknicken)
  • 🏔️ Charakter: Schwierige E-Bike-Tour. Gute Grundkondition erforderlich. Überwiegend befestigte Wege. Kein besonderes Können erforderlich.
  • ⛰️ Höhenunterschiede: mäßig – 0- 100 Höhenmeter
  • 📥 Download: rechts und links der Oder.gpx

Stille, Polder und das Frühstück der Rehe

Mein Startpunkt war Schwedt. Kaum lässt man die Stadt hinter sich, wird man förmlich von der Natur verschluckt. Rechts die Alte Oder (Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße), links die weiten Polderflächen und im Hintergrund der mächtige Strom der Oder. Die Polder wirken wie ein gigantischer „Parkplatz“ für Wasservögel – die Geräuschkulisse aus Schnattern, Trompeten und Flügelschlagen ist einfach herrlich.

Auf diesem Abschnitt ist man das einzige Stück Zivilisation weit und breit. Das scheinen auch die Tiere zu wissen: Ein einzelnes Reh ließ sich durch mein langsames Vorbeiradeln nicht im Geringsten beim Frühstück stören. Es hielt kurz inne, beobachtete mich völlig entspannt und kaute seelenruhig weiter. Ein echter Gänsehaut-Moment!

Der Radweg spielt hier mit der Perspektive: Manchmal fährt man etwas tiefer, und wenn man dann die nächste kleine Anhöhe erklimmt, öffnet sich der Blick wieder über die überwältigende Polderlandschaft. Fast jeder Meter ist hier ein potenzielles Fotomotiv. Vorbei an der Hohensaatener Schleuse erreichte ich schließlich den südlichsten Punkt: die Brücke bei Hohenwutzen.

Polnische Hügel und die flinke „Reh-Sippe“

Zurück ging es auf der polnischen Seite. Hier verlässt man das unmittelbare Flussufer und taucht tiefer ins Hinterland ein. Die Straßen sind gut ausgebaut, wenig befahren und schlängeln sich durch hübsche kleine Dörfer und ausgedehnte Mischwälder.

Aussichtsturm in Cedynia

In Bielinek blitzte die Oder wieder auf und gab den Blick frei auf das deutsche Ufer – der markante Grützpott in Stolpe war von hier aus perfekt zu sehen. Kurz darauf wurde es sportlich: Eine Gruppe von etwa 20 Rehen entschied sich für einen Vollsprint quer über meinen Weg. Erst schoss ein Vorreiter aus dem Unterholz, dann folgte der Rest der Sippe im Vollsprint von rechts nach links. Für ein Foto war die „Sippe“ leider viel zu schnell – ein freundliches Lächeln in die Kamera hätte mir zwar gefallen, aber die Dynamik dieses Moments war auch ohne Bild unvergesslich.

Das Finale mit Weitblick

Die letzten Kilometer zurück Richtung Norden sind geprägt von urigen, knorrigen Bäumen am Straßenrand, die wie Wächter der Landschaft wirken. Von einer letzten Anhöhe aus bot sich mir dann ein beeindruckendes Panorama: Die komplette Stadt Schwedt mit den markanten Anlagen des PCK lag mir in der Ferne zu Füßen.

Fazit: 70 Kilometer klingen erst einmal viel, aber bei angenehmen 16 Grad und kaum Wind „radelt sich das einfach so weg“. Man ist so eingelullt von den Natureindrücken, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Auf der deutschen Seite ist es herrlich flach, in Polen fordert das eiszeitliche Auf und Ab die Waden noch ein wenig heraus – eine perfekte Kombination!