Hinter den Kulissen von Gut Kerkow: Warum Qualität ihren Preis hat
Bisher war mein Blick auf das bekannte Gut Kerkow bei Angermünde ehrlich gesagt ziemlich eindimensional: Hinfahren, in den Hofladen gehen, einkaufen, fertig. Doch heute, am Tag der 31. Brandenburger Landpartie, habe ich die Chance genutzt und an einer Hofführung teilgenommen. Mein Fazit vorweg: Da steckt mehr dahinter – viel mehr, als man beim schnellen Blick in die Kühltheke ahnt!
Respekt vor dem Tier und extrem kurze Wege Was mich bei der Führung am tiefsten beeindruckt hat, ist der Umgang mit den Tieren. Auf den saftigen Weiden rund um das Gut leben Angus-Rinder und – von Frühjahr bis kurz vor Weihnachten – Scharen von Gänsen. Das Besondere: Die Tiere werden ausschließlich direkt auf dem Hof geschlachtet, zerlegt und verarbeitet. Keine tagelangen, qualvollen Tiertransporte, sondern absolut kurze Wege.
Besonders gefreut hat mich ein Detail: Wenn die Rinder von der zwei Kilometer entfernten Weide zum Hof geholt werden, geht es für sie keineswegs sofort in den Schlachtbereich. Sie bekommen auf dem Hof noch einige Wochen Zeit, um in aller Ruhe anzukommen, zu entspannen und ein gutes Leben zu führen. Dasselbe gilt für die Schweine, die von einem befreundeten Bauern dazugeholt werden. Jede Woche werden hier ganz traditionell ein Schwein und zwei Angus-Rinder verarbeitet.
Ja, die Preise im Hofladen sind stolz. Aber mit diesem neuen Wissen im Hinterkopf relativiert sich das völlig. Man bekommt hier absolute Spitzenqualität mit gutem Gewissen. Und mal ehrlich: Man muss Fleisch ja nicht maßlos konsumieren. Lieber ab und zu ein wirklich gutes, wertschätzend produziertes Stück genießen – das passt perfekt!
Gigantische Maschinen und Gemüse-Handarbeit mit der Schere Neben den Tieren gab es für mich auch ordentlich was zum Staunen. Ich stand neben einem Traktor, dessen Hinterrad locker meine eigenen 1,85 Meter Körpergröße überragt hat – gigantisch! Und der Mähdrescher von Nahem? Einfach nur „Boah!“.
Ein weiteres Highlight war die hofeigene Gärtnerei. Von verschiedenen Salaten über Pastinaken, Kohl und Radieschen bis hin zu Gurken und Tomaten wird hier alles in Bio-Qualität angebaut.
Wenn Schädlinge wie Raupen auftauchen, kommen keine harten Chemiekeulen zum Einsatz, sondern die betroffenen Blätter werden in mühevoller Handarbeit mit der Schere entfernt – krass, oder? Geerntet wird immer montags und freitags. Direkt auf dem Feld aussuchen und frisch abschneiden lassen geht leider nicht, wäre aber auch echt aufwendig.
Der Blick über den Tellerrand Im gemütlichen Hofladen gibt es neben Fleisch und Gemüse auch frische Backwaren, Käse und viele weitere Bio- Produkte. Ein kleiner kritischer Blick bleibt bei mir aber: Ob Bio-Bananen oder Bio-Kirschen aus Spanien nun unbedingt den Weg in die Uckermark finden müssen, sei mal dahingestellt – da halte ich mich lieber an das, was direkt hier wächst.
Mein Fazit (und ein kleiner Plan): Ich habe direkt gefragt, ob man auf dem Hof mal einen Tag mit anpacken darf. Das geht tatsächlich – und zwar in der Gärtnerei! Eigentlich hatte ich ja gehofft, den Riesen-Traktor fahren zu dürfen (Scherz beiseite! 😉), aber die Gärtnerei kann ich mir gut vorstellen.