Nationalpark Unteres Odertal
Wo der Fluss die Zeit bestimmt
Während die Eiszeit uns die Hügel schenkte, schuf die Oder hier eine der letzten naturnahen Flussauen Mitteleuropas. Der Nationalpark Unteres Odertal ist eine Landschaft im Rhythmus des Wassers. Wenn im Winter die Polder geflutet werden, entsteht eine glitzernde Wasserwüste, die im Frühjahr tausenden Zugvögeln als Rastplatz dient.
Das Poldersystem: Eine Landschaft mit zwei Gesichtern
Das Untere Odertal ist deutschlandweit einzigartig – vor allem wegen seines ausgeklügelten Poldersystems. Wer hier wandert oder radelt, bewegt sich in einer Landschaft, die buchstäblich „atmet“.
Was sind eigentlich Polder? Polder sind weite, tiefliegende Wiesenflächen zwischen den Deichen. In den meisten Regionen dienen Deiche dazu, das Wasser dauerhaft fernzuhalten. Hier im Nationalpark ist das anders: Das System folgt dem Rhythmus der Jahreszeiten.
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Der Winter-Rhythmus (Hochwasser): Jedes Jahr im November oder Dezember werden die Einlassbauwerke (die sogenannten Wehrschleusen) am Hauptstrom der Oder geöffnet. Das Wasser strömt in die Polderflächen hinein. In kurzer Zeit verwandelt sich das Tal in eine riesige, glitzernde Wasserwildnis. Für tausende Singschwäne und Gänse ist das der ideale Rastplatz.
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Der Sommer-Rhythmus (Grünland): Im Frühjahr, wenn der Wasserstand der Oder sinkt, werden die Schleusen geschlossen und das Wasser wird über Schöpfwerke wieder herausgepumpt. Zurück bleibt ein extrem fruchtbarer Boden, auf dem saftige Wiesen gedeihen.
Warum ist das für dich als Entdecker so spannend? Dieses System sorgt dafür, dass sich das Odertal jedes Mal anders präsentiert. Wenn du auf dem Deich radelst (wie auf dem Oder-Neiße-Radweg), hast du im Winter das Gefühl, am Meer zu sein, während du im Sommer über endlose, blühende Wiesen blickst.
Genau dieser Wechsel macht die Beobachtung von seltenen Vögeln wie dem Wachtelkönig oder den majestätischen Seeadlern so besonders. Es ist eine Wildnis aus Menschenhand, die der Natur ihren Raum zurückgibt.